4D Ultraschall: Ein innovativer Blick auf den Fötus

Zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2021

Werdende Eltern sind vor allen Dingen für ihre Fürsorglichkeit und ihre Neugier für das kommende Baby bekannt. Die Sammlung von Informationen über das Kind nimmt somit für viele werdende Eltern eine wichtige Rolle während der Schwangerschaft ein.

Eine sehr beliebte Möglichkeit stellt die Ultraschalluntersuchung dar. Diese bietet den Eltern nach einem Termin beim zuständigen Arzt ein physisches Bild des Babys, welches Verwandten und Freunden präsentiert werden kann. Seit einigen Jahren werden nun auch 4D Ultraschallbilder angeboten, um den Eltern ein noch realistischeres Bild des Babys zu ermöglichen.




Das Wichtigste in Kürze

  • Ein 4D Ultraschall ist durch eine dreidimensionale Liveübertragung der Untersuchung auf einem Monitor gekennzeichnet.
  • Das Nutzung von 4D Ultraschalluntersuchungen ohne medizinischen Nutzen ist seit dem 01.01.2021 verboten. Das Verbot dient zum Schutz der ungeborenen Kinder, welche keinen Mehrwert durch die Behandlungen gewinnen und vor potentiellen Risiken verschont bleiben.
  • Grundsätzlich konnten bisher keine eindeutigen Risiken oder Gefahren für die Anwendung von 4D Ultraschall beim Menschen bewiesen werden(1) .

4D Ultraschallbilder während der Schwangerschaft: Was du wissen solltest

Grundsätzlich lässt sich vorwegnehmen, dass 4D Ultraschallbilder seit dem 01.01.2021 in Deutschland verboten sind. Wenn du keinen medizinischen Grund für die Durchführung eines 4D Ultraschallbildes besitzt, werden Sie in Deutschland keine Möglichkeit für die Erstellung mehr bekommen.

Vor dem Verbot erlangte die Methode eines 4D Ultraschallbildes immer mehr an Beliebtheit bei werdenden Eltern. Allgemein konnte ein regelrechter „Boom“ im  Babymarkt  beobachtet werden. Die genauere Betrachtung des noch nicht zur Welt gebrachten Babys in 4D stellte eine neue und interessante Alternative zu den bereits bekannten Ultraschallbildern dar. Logisch, dass die Nachfrage zunimmt und das Angebot rasant angestiegen ist.

Was sind Ultraschallbilder und wie funktionieren sie?

Bei einem Ultraschallbild handelt es sich im Allgemeinen um ein Computer generiertes Bild der untersuchten Stelle des Körpers. Mit Hilfe von Ultraschallbildern kann man in der Medizin einen relativ genauen Einblick in das Körperinnere bekommen.

Dabei wird mit Schallfrequenzen gearbeitet, welche sich außerhalb des menschlichen Hörbereichs befinden. Diese Frequenzen sind mit unserem Gehör also nicht wahrnehmbar (2).

Bei der Erstellung eines Ultraschallbildes kommt es zur einer Entsendung von Schallwellen mit Hilfe eines Schallkopfes. Dieser leitet die Schallwellen in den menschlichen Körper. Durch die Organe, Muskeln und Knochen im Körper entstehen verschieden starke Echos, welche der Schallkopf erneut empfängt.

Die Absorption und Reflektion von Echos bilden das Grundgerüst eines Ultraschalls.

Mit Hilfe dieser Echos kann bestimmt werden, wie weit die untersuchten Körperteile von der Körperoberfläche entfernt sind und um welche Körperteile es sich handelt.

Das menschliche Blut lässt die Schallwellen beispielsweise annähernd ohne Reflektion hindurch, wobei Knochen oder Organe einen großen Widerstand gegen die Schallwellen aufzeigen (3).

Mit diesen Informationen können die Signale an einem Computer generiert werden, welcher ein graues Gesamtbild der untersuchten Stelle erstellt. Dabei gilt: Je stärker die Reflektion eines Körperteils, desto heller das Bild an der jeweiligen Stelle. Die Erstellung eines Bildes durch Ultraschall bietet somit vielen Eltern eine Möglichkeit, Ihr zukünftiges Kind schon vor der Geburt sehen zu können.

Wie unterscheidet sich ein 4D Ultraschall?

Bei einem Ultraschallbild ohne 4D-Funktion erstellt der Computer ein zweidimensionales Bild. Dieses Bild kann vom jeweiligen Arzt ausgedruckt werden, sodass die werdenden Eltern es mitnehmen und zuhause präsentieren können. Das 4D Ultraschallbild beinhaltet jedoch eine technische Erweiterung.

Der Arzt kann den Eltern bei einem 4D Ultraschallbild bereits während der Untersuchung eine Echtzeit- Aufnahme des Fötus präsentieren. Damit können alle Bewegungen des Kindes in dem Moment aufgezeichnet und auf dem Monitor wiedergegeben werden.

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Die 4D Ultraschalluntersuchung ist durch die Darstellung der Behandlung in Echtzeit gekennzeichnet. In der Regel werden Monitore für die Verbildlichung verwendet. (Bildquelle: MedicalPrudens/Pixabay)

Im Gegensatz zu einem 2D Ultraschallbild können also auch Handlungen und Bewegungen des Kindes erfasst und festgehalten werden. Diese werden quasi live wiedergegeben. Bei einem 3D Ultraschallbild fällt auch diese Live-Funktion weg und die genaue Darstellung des Kindes kann erst nach einer Auswertung der Untersuchung angeschaut werden.

Ein 4D Ultraschallbild vereint damit eine genaue und sich bewegende Darstellung des Fötus mit einer Live-Übertragung der Untersuchung. Diese Art eines Ultraschalls sind bei den Eltern daher besonders beliebt.

Welchen Mehrwert kann mir ein 4D Ultraschall als Elternteil geben ?

Ein 4D Ultraschall ermöglicht den werdenden Eltern die ersten genauen Einblicke der Handlungen ihres Kindes. Während die klassische Version eines Ultraschallbildes ausschließlich ein zweidimensionales Bild liefert kann sich bei einem 4D Ultraschallbild ein genaueres Bild von dem Fötus im Bauch gemacht werden.

Bei einer gesunden Entwicklung des Fötus liegt der Mehrwert eines 4D Ultraschallbildes hauptsächlich in der Stillung der Neugier der Eltern. Die Darstellung des Kindes durch ein 4D Ultraschallbild macht das Baby für die Eltern ein Stück weg greifbarer, weil die technischen Funktionen eine realistischere Darstellung bieten.

Insgesamt wird bei einem Fötus ohne Auffälligkeiten aber kein medizinischer Mehrwert für die Gesundheit des Kindes geboten. Eine 4D Ultraschalluntersuchung bietet damit ausschließlich einen Mehrwert für die Eltern und alle anderen Betrachter der Aufnahmen.

Herzfehler oder Anomalien können dem 4D Ultraschall einen medizinischen Mehrwert geben.

Bei unerwarteten Entwicklungen oder Auffälligkeiten des Fötus kann die 4D Ultraschalluntersuchung jedoch sehr wohl einen medizinischen Mehrwert erfüllen. Die detaillierte Darstellung des Fötus verbessert die Genauigkeit der Diagnosen der Ärzte.

Damit wird die medizinische Behandlung des Kindes durch einen 4D Ultraschall positiv beeinflusst. Bei Auffälligkeiten und ungewöhnlichen Entwicklungen des Fötus wird die Wahrscheinlichkeit einer gesunden Geburt des Kindes also erhöht.

Auch die Mutter selbst kann durch eigene Aktivitäten die gesunde Entwicklung des Kindes fördern. Eine Möglichkeit bildet die korrekte Ausführung von Sport während der Schwangerschaft. Letztendlich sollte man sich nicht komplett auf die Medizin verlassen. Bei bestimmten Umständen kann auch der beste Arzt Fehlbildungen nicht mehr rückgängig machen.

In welchem Zeitraum der Schwangerschaft werden 4D Ultraschallbilder gemacht?

Eine 4D Ultraschalluntersuchung kommt in der Regel erst ab der 25. Schwangerschaftswoche in Frage. Erst ab diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft hat sich der Fötus so weit entwickelt, dass genaue Detailaufnahmen von einzelnen Organen und Körperteilen möglich sind. Trotzdem kann eine Ultraschalluntersuchung auch in den ersten Wochen der Schwangerschaft durchgeführt werden. Die folgende Tabelle zeigt eine Übersicht für die Analyse der Organe nach Schwangerschaftswochen.

Schwangerschaftswoche mögliche Messungen
9 bis 12 Biparietale Durchmesser, Fruchtsackdurchmesser, Scheitel-Steiß-Länge, Einschätzung des Geburtstermines
19 bis 22 Gesamtgröße des Kindes, detailierte Fetometrie, Durchmesser von Kopf und Bauch, Länge des Oberschenkelknochens
29 bis 32 Plazenta und Fruchtwassermenge, Einschätzung der Lage des Kindes, altersgerechte Entwicklung, Blutströmungen, Feindiagnostik

Prinzipiell ist die 4D-Ultraschalluntersuchung jedoch zu jedem Zeitpunkt möglich. Die Genauigkeit und die Qualität der Aufnahmen hängt insgesamt aber trotzdem von individuellen Faktoren ab. Dazu zählt die Fruchtwassermenge, die Lage des Kindes und die Schwangerschaftswoche. Auch die Qualität des Ultraschallgeräts und die Dicke der mütterlichen Bauchdecke spielen eine Rolle. Auch der Zyklus der Schwangerschaftswochen kann bei einer Frau variieren und deshalb unterschiedlich ausfallen.

Warum sind 4D Ultraschallbilder seit 2021 verboten?

Die Nachfrage einer 4D Ultraschalluntersuchung stieg in den letzten Jahren immer weiter an. Dies führte dazu, dass auch nicht medizinische Unternehmen eine 4D Ultraschalluntersuchung angeboten haben. Die Behandlungen wurden demnach auch von Menschen durchgeführt, welche keinerlei medizinische Ausbildung besitzen.

Auch die Intention eines 4D Ultraschalls entwickelte sich immer weiter in die Richtung des sogenannten “Babyfernsehens”. Gemeint ist damit die Erstellung einer 4D Ultraschall-Übertragung, welche ausschließlich für die Betrachtung des Fötus dient und keinen medizinischen Mehrwert besitzt.

Das Verbot bezieht sich ausschließlich auf diese Arten von 4D Ultraschalluntersuchungen. Es wird als Verordnung zum Schutz vor  schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen bezeichnet und ist am 31.12.2020 in Kraft getreten (4).

Bis jetzt konnten im Gebiet der Sonographie keine Gefahren oder Risiken für den Menschen  bestätigt werden. Trotzdem sollen mit Hilfe des Verbots unnötige externe Belastungen für den Fötus vermieden werden. Ein normal entwickelter Fötus ohne Auffälligkeiten wird bei einer Untersuchung durch 4D Ultraschall zumindest potentiell belastet. Das potentielle Risiko für das ungeborene Kind ist laut der Bundesregierung jedoch nicht mit der Neugier der Eltern gleichzusetzen.

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Häufige Ultraschalluntersuchungen ohne medizinischen Nutzen können eine unnötige Belastung für den Fötus darstellen. Die Gesundheit des Kindes sollte trotz unbestätigter Risiken an erster Stelle stehen. (Bildquelle: FreePhotos/Pixabay)

Die Anwendung des 4D Ultraschalls ist bei der Existenz eines medizinischen Nutzens weiterhin erlaubt. Auffälligkeiten bei einem Fötus könnten ohne ein 4D Ultraschall schließlich schlechter erkannt und behandelt werden. Der Einsatz ist lediglich bei Untersuchungen ohne medizinischen Nutzen in Deutschland verboten.

Können 4D Ultraschallbilder gefährlich für mich oder mein Kind sein?

Allgemein gibt es bei einem Ultraschall keine eindeutigen Risiken für die Gesundheit des Kindes. Die medizinische Anwendung des Ultraschalls lässt sich in den Bereich der Sonographie einordnen. Dieses Gebiet gilt in der Medizin durch zahlreiche Studien als gut erforscht. Keiner dieser Studien konnte jedoch eindeutige Gefahren oder Risiken bei der Anwendung von Ultraschall feststellen.

Trotzdem sollten Sie speziell den 4D Ultraschall nicht unterschätzen. Damit eine 4D Ultraschalluntersuchung ein genaueres Bild bieten kann, werden intensivere Signale für die Behandlung verwendet. Die Nutzung dieser verstärkten Signale ist nicht so ausgiebig erforscht worden wie die standardmäßigen Signale eines zweidimensionalen Ultraschalls.

Die Gefahr für das Kind wird zusätzlich erhöht, wenn die Untersuchung von einem Anbieter ohne medizinische Ausbildung durchgeführt wird. Das fehlende fachliche Wissen und die mangelnde Erfahrung können die Qualität der Behandlung und damit auch die Gesundheit des Kindes negativ beeinflussen. Diese Gefahren werden durch das neue Verbot der Strahlenverordnung jedoch vorgebeugt.

Insgesamt existieren bei der Behandlung mit 4D Ultraschall durch eine/n Fachfrau/mann keine eindeutigen Gefahren für die Mutter und das Kind. Eine Behandlung ist trotzdem nur zu empfehlen, wenn ein Auffälligkeiten des Fötus genauer untersucht werden müssen und ein medizinischer Nutzen besteht. Die Behandlung ohne medizinischen Nutzen ist verboten und damit nicht zu empfehlen.

Welche Folgen hat das 4D Ultraschallbild-Verbot für die Ärzte?

Allgemein gelten bei ausgebildeten Ärzten keine genauen Vorgaben für die medizinische Notwendigkeit einer 4D Ultraschalluntersuchung. Sie können also selber einstufen, ob solch eine Behandlung bei dem Patienten notwendig ist.

Bei bestimmten Gegebenheiten kann es damit weiterhin zum Einsatz von 4D Ultraschall durch ausgebildete Ärzte kommen. Die Gesundheit der Patienten und die Arbeit der Ärzte wird somit nicht eingeschränkt.

Fazit

Das Verbot der 4D Ultraschalluntersuchung ohne medizinischen Nutzen verdeutlicht die fehlende Notwendigkeit dieser Aufnahmen. Die Erstellung eines zweidimensionalen Bildes von dem Fötus bietet eine gute Alternative für neugierige Eltern. Auf die dreidimensionale Darstellung auf einem Live-Monitor sollte in Zukunft verzichtet werden.

Auch wenn keine eindeutigen Gefahren in Bezug auf 4D Ultraschall bewiesen werden konnten, entwickelte sich eine unseriöser Markt mit unqualifizierten Anbietern. Diese Akteure stellen letztendlich die eigentliche Gefahr der Untersuchung dar. Der Erwerb von weiteren 4D Ultraschalluntersuchungen ohne medizinischen Nutzen sind verboten und damit nicht zu empfehlen.

Bildquelle: natalya3081/ 123rf

Einzelnachweise (4)

1. Evi Vogel, Übersicht epidemiologischer Untersuchungen zur Sonographie während der Schwangerschaft
Quelle

2. Aladin Carovac, Fahrudin Smajlovic und Dzelaludin Junuzovic, Anwendung von Ultraschall in der Medizin
Quelle

3. National Institute of Biomedical Imaging and Bioengineering (NIBIB), Funktionsweisen von Ultraschall
Quelle

4. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Festhaltung des Verbots von 4D Ultraschall ohne medizinischen Nutzen
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Wissenschaftliche Studie
Evi Vogel, Übersicht epidemiologischer Untersuchungen zur Sonographie während der Schwangerschaft
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Wissenschaftliche Studie
Aladin Carovac, Fahrudin Smajlovic und Dzelaludin Junuzovic, Anwendung von Ultraschall in der Medizin
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Artikel
National Institute of Biomedical Imaging and Bioengineering (NIBIB), Funktionsweisen von Ultraschall
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Gesetzesentwurf
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Festhaltung des Verbots von 4D Ultraschall ohne medizinischen Nutzen
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Testberichte