Es ist wohl hinreichend bekannt, dass für ein Baby in den ersten Lebensmonaten Muttermilch die ideale Ernährung ist. Doch vielleicht fragst auch du dich, wie lange man stillen sollte? Mit dieser Frage stehst du nicht allein. Denn viele Mütter stellen sich genau diese Frage, weil sie verunsichert sind.

Wie oft und wie lange du stillen solltest

Zunächst einmal hängt es immer von deinem Gesundheitszustand ab, ob und wie lange du stillen kannst. Auch deine momentane Lebenssituation kann Einfluss darauf nehmen, deinem Baby in den ersten Monaten das an Nahrung zu geben, was gemeinhin als die ideale Ernährung für Neugeborene angesehen wird.

Baby liegt zufrieden am Boden

Sofern Stillen für dich und dein Kind möglich ist – tu es! Die vielen positiven Eigenschaften machen dein Baby glücklich und stärken seine Abwehr. (Foto: Victoria_Borodinova / pixabay.com)

Experten raten dazu, in den ersten sechs Lebensmonaten eines Kindes voll zu stillen. Doch es gibt natürlich immer auch Mütter, bei denen das nicht so gut klappt. Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben, wie zum Beispiel:

  • Nicht genügend Milch
  • Schmerzhafte Entzündungen der Brustwarzen
  • Gesundheitliche Einschränkungen und Erkrankungen der Mutter, wie beispielsweise
  • Krebserkrankungen, Herpes oder andere Infektionskrankheiten
  • Alkohol- und / oder Drogensucht
  • Übermäßig starker Tabakkonsum
  • Kulturelle Gründe

Hinweis: Bedenke, dass über die Muttermilch auch jene giftigen Bestandteile von deinem Baby aufgenommen werden, die sich in deinem Körper befinden.

Doch auch eine Stoffwechselerkrankung des Säuglings selbst, kann beispielsweise ein Grund dafür sein, dass er möglichst gar nicht gestillt wird. Denn oftmals enthält die sonst so gesunde Muttermilch bestimmte Substanzen, die sich damit nicht vereinbaren lassen.

Darüber hinaus gibt es aber auch beim Kind Erkrankungen, die ein Stillen entweder gar nicht oder nur vorübergehend nicht möglich machen:

  • Das Baby wurde zu früh geboren
  • Der Säugling verweigert die Brust
  • Das Neugeborene weist eine sogenannte Saugschwäche auf
  • Bei dem Baby wurde eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte diagnostiziert
  • Das Kind leidet an der Pierre-Robin-Sequenz, also einer angeborenen Fehlbildung
  • Das Baby leidet an einer Choanalatresie, also einem Verschluss der hinteren Nasenöffnung

Wie lange du im Endeffekt stillen willst oder möchtest, richtet sich also nach den individuellen Voraussetzungen oder Gegebenheiten.

Die meisten gesunden Mütter empfinden die Stillperiode als ausgesprochen intim. Es ist dabei nicht zuletzt die ruhige Atmosphäre und die ganz besondere Nähe zum Baby, weswegen viele Frauen sich auch für das Langzeitstillen entscheiden.

Wie lang sollte eine Stillmahlzeit dauern?

Für die Dauer einer Stillmahlzeit wird es im Grunde auf dein Baby ankommen. Denn es entscheidet praktisch von allein, wann es von deiner Brust wieder ablässt. Lass deinem Kind also die Zeit, die es benötigt, um sich satt zu trinken.

Das wiederum hängt aber auch davon ab, wann die wirklich nahrhafte Milch kommt. Denn das Stillen lässt sich in drei Phasen einteilen:

  1. Mit dem ersten Saugen des Babys kommt erst einmal die Anfangsmilch, die häufig auch als Durstlöscher bezeichnet wird. Diese Milch besitzt recht wenige Kalorien.
  2. Nach zirka 20 Minuten wird die nahrhafte Milch einschießen, wenn du deinem Baby diese Zeit lässt, an einer Brust zu saugen. Diese zweite Milch ist sehr kalorienreich und bildet für dein Baby sozusagen die Hauptmahlzeit.
  3. Wenn du abschließend das Baby an der zweiten Brust anlegst, wird eine Mischung als Anfangsmilch und sättigender Milch erhalten. Somit bekommt dein Kind also auch noch einen Nachtisch.

Alles in allem kann eine Stillmahlzeit also bis zu einer Stunde dauern. Wobei hierbei anzumerken ist, dass es in der Regel nur am Anfang bis zu 20 Minuten dauert, bis die kalorienreiche Milch bei dir einschießt.

Später, also wenn dein Baby und du ein eingespieltes Team seid, wird das oftmals nur 5 bis 10 Minuten dauern.

Egal wie lange aber im Endeffekt die Stillmahlzeit dauert: Lass dir und deinem Baby diese Zeit.

Entspanne dich, vermeide unnötigen Zeitdruck und genieße es dabei zuzuschauen, wie sich dein Kind satt trinkt.

Tipp: Du musst keine Angst haben, dass du dein Baby mit der Muttermilch überfütterst. Denn auch wenn es vielleicht etwas länger dauert, wird dein Baby ganz von allein von deiner Brust ablassen, wenn es satt ist.

Welchen Unterschied macht es, ob das Baby nuckelt oder trinkt?

Viele junge Mütter können beim ersten Kind nicht wirklich ausmachen, ob das Baby tatsächlich trinkt oder nur zufrieden an der warmen Brust nuckelt.

Doch es ist weder für dich und deine Brustwarzen gut, wenn das Baby nur zufrieden vor sich hin nuckelt, anstatt zu trinken. Denn dadurch weicht die Haut rund um deine Brustwarze auf und kann schlussendlich zu wunden und schmerzenden Brustwarzen führen.

Wenn du dir also nicht sicher bist, dann kannst du recht einfach prüfen, ob dein Baby nuckelt oder noch trinkt. Lege dazu zwei Finger deiner freien Hand oberhalb der Brustwarze auf und übe leichten Druck aus.

Das verursacht für einen Moment einen etwas stärkeren Milchfluss. Spürst du bei deinem Baby nun eine rhythmische Bewegung, dann kannst du sicher sein, dass es noch trinkt.

Ist das aber nicht der Fall und die Milch läuft vielleicht sogar an den Mundwinkeln des Babys heraus, dann ist es wohl eingeschlafen. In diesem Fall ist es besser, wenn du das Stillen beendest.

Doch Vorsicht! Du kannst den Säugling meist nicht einfach so wegnehmen. Denn im Normalfall hat dein Kind sich regelrecht angesaugt. Schiebe daher besser den kleinen Finger vorsichtig zwischen Babys Mundwinkel und deiner Brustwarze. So lässt sich der Sog leicht unterbrechen.

Gibt es beim Stillen kulturelle Unterschiede?

Der Stillvorgang selbst unterscheidet sich nicht in kultureller Hinsicht. Aber wie lange gestillt wird hingegen schon. So ist es beispielsweise in Afrika oder auch bei den Naturvölkern in Südamerika und anderswo normal, dass die Babys sehr lange gestillt werden. Hier sind Zahlen von einem bis drei Jahren bekannt.

In den westlichen Kulturen verhält es sich aber meist ein wenig anders. Durchschnittlich kann man hier durchaus davon ausgehen, dass die Babys zwischen sechs und 12 Monaten gestillt werden.

Zumindest dann, wenn die Mütter ihre Elternzeit, wie beispielsweise in Deutschland, voll ausschöpfen. In Ländern hingegen, wo es eher normal ist, dass die Säuglinge schon mit sechs Wochen in die Kinderkrippe gegeben werden, wird allerdings eher kurze Zeit, wenn überhaupt, gestillt.

Mutter spielt mit Baby, Fläschchen im Vordergund

Manchmal geht es nicht anders und du musst schon während der Stillzeit mit der Flasche zufüttern. Die Sauger auf den Fläschchen sollen eine Brustwarze bestmöglich ersetzen. (Foto: rawpixel.com / pexels.com)

Warum du überhaupt stillen solltest

Abgesehen von der unglaublich intensiven Nähe, die du beim Stillen empfindest, gibt es hauptsächlich rein gesundheitliche Aspekte, warum du möglichst stillen solltest.

Denn Muttermilch ist besonders nahrhaft für dein Baby und enthält alle wichtigen Vitamine und Nährstoffe, die es braucht. Gleichzeitig schützt du damit dein Neugeborenes ganz automatisch auch vor Krankheitserregern.

Zumindest solange, bis dessen kleiner Körper die eigenen Abwehrkräfte richtig aktiviert hat und genügend Abwehrstoffe selbst produzieren kann.

foco

Doch wusstest du, dass das Stillen sich positiv auf das Wachstum des Gehirns auswirkt? Schon wenn du drei Monate lang stillst, wird die weiße Gehirnsubstanz um 20 bis 30 Prozent schneller gewachsen sein, wie bei nicht gestillten Kindern.

Diese Substanz ist wichtig für die bessere Gehirntätigkeit, wenn es um die Kommunikation der einzelnen Bereiche im Gehirn des Babys geht. So kann es durchaus sein, dass dein Kind einmal schneller und besser lernen kann, um nur ein Beispiel zu nennen.

Wissenschaftler fanden aber zudem auch heraus, dass Kinder, die mindestens drei bis sechs Monate lang gestillt wurden, später weniger zu Fettleibigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auch Diabetes Typ II Erkrankungen neigen.

Im Grunde legst du also mit dem Stillen einen guten Grundstock dafür, dass sich dein Baby schneller und besser entwickeln kann.

Was bedeutet Langzeitstillen?

Viele Mütter haben sich dazu entschlossen, ihr Baby länger als die durchschnittlich empfohlenen sechs Monate zu stillen. In unserer Gesellschaft wird alles, was darüber hinaus noch gestillt wird, als Langzeitstillen bezeichnet. Auch wenn dieser Begriff nicht ganz korrekt ist.

Denn ebenso wie bei der herkömmlichen Stilldauer kann man sich hier nicht auf eine bestimmte Zeitspanne festlegen. So ist es auch bei einer längeren Stillperiode immer davon abhängig, ob Mutter und Kind sich damit wohlfühlen.

Baby liegt bequem und schaut nach oben

Du willst ein zufriedenes gesundes und glückliches Baby? Stillen kann dazu einen wertvollen Beitrag leisten, egal wie lange genau du vorhast zu stillen. (Foto: Daria Shevtsova / pexels.com)

Welche Vorteile bringt das Langzeitstillen mit sich?

  • Mutter und Kind können das besonders innige Verhältnis, wie es beim Stillen entsteht, längere Zeit aufrecht halten und gemeinsam genießen.
  • Kinder, die länger gestillt werden und bereits Beikost zu sich nehmen, sind optimal mit allen nötigen Vitaminen und Mineralstoffen versorgt.
  • Durch die Muttermilch ist das Kind auch dann hinreichend vor Krankheitserregern geschützt, wenn bereits das eigene Abwehrsystem des Kindkörpers hervorragend funktioniert.

Wo liegen die Nachteile beim Langzeitstillen?

Im Grunde gibt es keine wirklichen Nachteile beim Langzeitstillen. Denn was von Mutter Natur so eingerichtet wurde, kann prinzipiell nicht schlecht sein.

Allerdings sehen es viele Mütter als eher nachteilig an, dass sie länger als andere Mütter stärker gebunden sind. Denn einfach mal so am Abend weggehen ist mit einem Stillkind ungleich schwieriger zu bewerkstelligen, als mit einem Kind, welches nicht mehr gestillt wird.

Wie lange du stillst, hängt von vielen Faktoren ab. Doch grundsätzlich geht es immer danach, ob du und dein Baby sich damit wohlfühlen. Dann spricht nichts gegen eine längere Dauer des Stillens.

Weiterführende Literatur: Quellen und interessante Links

[1] Windeln.de „Wie lange stillen?“, https://www.windeln.de/magazin/baby/stillen/wie-lange-stillen.html, (Zugriff am 17.12.2018)

[2] Baby und Familie „Ist Stillen wichtig – und wenn ja, wie lange?“, https://www.baby-und-familie.de/Stillen/Ist-Stillen-wichtig–und-wenn-ja-wie-lange-517553.html, (Zugriff am 17.12.2018)

[3] Von guten Eltern.de „Fragen an die Hebamme: Wie lange Stillen?“, https://www.vonguteneltern.de/fragen-an-die-hebamme-wie-lange-stillen/, (Zugriff am 17.12.2018)

[4] Eltern.de „Stillen – wie lange?“, https://www.eltern.de/baby/0-3-monate/stillen-wie-lange.html, (Zugriff am 17.12.2018)

[5] Netmoms „Wie lange dauert eine Stillmahlzeit?“, https://www.netmoms.de/magazin/baby/stillen/wie-lange-dauert-eine-stillmahlzeit/, (Zugriff am 17.12.2018)

[6] Stillkinder „Häufige Fragen zum Langzeitstillen“, https://www.stillkinder.de/haeufige-fragen-zum-langzeitstillen/, (Zugriff am 17.12.2018)

[7] Netdoktor „Wie lange stillen?“, https://www.netdoktor.de/baby-kleinkind/wie-lange-stillen/, (Zugriff am 17.12.2018)

[8] Spiegel „Experten streiten über Stillzeit“, http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/saeuglingsernaehrung-experten-streiten-ueber-stillzeit-a-739537.html, (Zugriff am 17.12.2018)

[9] Familie- und Tipps.de „Wie lange stillen ist sinnvoll?“, https://www.familie-und-tipps.de/Kinder/Baby/Stillen/Wie-lange.html, (Zugriff am 17.12.2018)

[10] Focus „Wie lange stillen? Dieser Zeitraum ist sinnvoll“, https://praxistipps.focus.de/wie-lange-stillen-dieser-zeitraum-ist-sinnvoll_106619, (Zugriff am 17.12.2018)

[11] Still-Lexikon „Wer nicht stillen kann“, https://www.still-lexikon.de/wer-nicht-stillen-kann/, (Zugriff am 19.12.2018)

Bildquelle: Pixabay / pexels.com

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